Agiler Wandel ganz einfach

Agiler Wandel und Star Wars

Allein die Einführung agiler Frameworks macht noch keine agile Kultur aus. Agiler Wandel ist nötig, um die Kultur des Unternehmens in Richtung Agilität zu bewegen.  Alles, was wir für einen Wandel brauchen – und das ist ggf. viel weniger, als man zunächst vermuten mag – finden wir in einer weit, weit entfernen Galaxis…

In der Einleitung zu „15 Zitate aus Star Wars für den Alltag“ steht:

„Star Wars strotzt ja geradezu vor wichtigen Themen und Lehren, die wir auf unser Leben übertragen können. Viele dieser großen Gedanken sind in wunderbar knappen und zitierfähigen Sätzen zusammengefasst.“

Agiler Wandel und die MachtWie schaffen es Filme, die vor allem auf Verkauf von Merchandising ausgerichtet sind, große Gedanken zu vermitteln? Die Antwort müsste eigentlich gar nicht lauten, denn die großen Gedanken entpuppen sich schnell als kurze Phrasen, die keinen wirklichen Sinnzusammenhang haben. Star Wars schafft es aber trotzdem im Kontext großer Gedanken genannt zu werden und dies funktioniert gerade nicht durch Inhaltsschwere. Die Filme vermitteln keine geschlossene Jedi-Religion, sie funktionieren über die perfekte Inszenierung. Einzelne Szenen mit authentischen Hauptfiguren schaffen einen Rahmen, in den der Zuschauer seine eigene Jedi-Religion in das Star Wars Universum hineindenken kann. „Möge die Macht mit Dir sein“ wird so von einem kleinen Satz zu einem großen Gedanken, auch wenn niemand so richtig weiß, was diese Macht denn nun sein soll und wie sie mit einem sein kann.

Unsere Galaxis funktioniert zum Glück genauso platt. Agiler Wandel bzw. Kulturwandel im allgemeinen braucht m.E. keine ausformulierte Kultur und Werte und kein aufgesetztes Change Projekt. Agiler Wandel braucht einige Schlüsselszenen, die von den Hauptfiguren authentisch vorgetragen werden. Hier ein Beispiel aus der Praxis:

Kulturwandel in der Praxis

Im Rahmen eines groß angelegten Kulturwandels duzt OTTO sich jetzt bekanntlich. Die Initiative ging vom Vorstand aus, was auf jeden Fall schon mal die richtigen Hauptpersonen sind. Inhaltlich finde ich das Du eine gelungene Aktion im oben genannten Sinne. Im Mittelpunkt steht eine ganz simple, losgelöste Geste, die aber eine sehr große Kraft entfalten kann – möge das Du mit uns sein. Leider wurde nur nicht an die richtige Inszenierung gedacht.

Die Info, dass der Vorstand allen das Du anbietet, wurde über das Intranet verbreitet. Ich vermute mal, dass die digitale Kommunikation die entsprechende Strategie unterstreichen sollte. Und die vielen #s sollten wohl einen modernen Social Media Kontext schaffen. Wer weiß…

Ganz ohne #, in einem öffentlichen Termin oder vielleicht sogar in guter alter Michael Otto Tradition, der zu Weihnachten persönlich über alle Flure ging, um jedem ein frohes Fest zu wünschen, wäre die Aktion ein Volltreffer gewesen. So aber bleibt, zumindest bei mir, der Beigeschmack einer akademisch fundierten Change-Initiative.

Agiler Wandel und die Rolle der Führung

Durch die geforderte authentische Inszenierung der Hauptpersonen kommt der Führung eine ganz besondere Rolle zu. Ähnlich stellt es auch Frederic Laloux  in Reinventing Organizations dar, der eine der zentralen Voraussetzung für eine selbstorganisierte Organisation darin sieht, dass der „CEO“ hinter dem Konzept steht und es lebt. Ich bin der Überzeugung, dass dies nicht nur für selbstorganisierte, sondern auch für agile Unternehmen gilt. Agil wird eine Organisation nicht durch zertifizierte Coaches, sondern durch die agile Einstellung und Vorbildfunktion der Führung. Agil werden, weil das Management es als vermeintliche Notwendigkeit erkannt hat, wird nicht funktionieren. Es werden dann ggf. agile Prozesse eingeführt, wobei die Betonung aber auf Prozesse und leider nicht auf Individuen und Interaktion liegt. Agiler Wandel ist das dann nicht, entsprechend wird keine agile Organisation entstehen.

Um mit einem Zitat aus Star Wars zu enden: „Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.“

Bild: Day 190 von Pascal auf flickr, Verwendung unter CC0

Ein Gedanke zu „Agiler Wandel ganz einfach

  1. Auch aus dem subtilen Führungsstil des Senators Palpantine kann man sehr gute Ideen für die eigene Firma ableiten. Danke für den Beitrag Stefan, erfrischend! 😉

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