Simply the Best? Agiles Management und Personalauswahl

„If you can only have 10 on the team, they’d better be the very best that you can find.“ Dies ist eine von 14 zenralen Aspekte für agiles Arbeiten, die Bob Warfield in seinem SmoothSpan Blog aufführt. Als ich mein erstes agiles Projekt erfolgreiche beendete, fragten mich viele Kollegen nach dem Erfolgsrezept bzw. den Erfolgskriterien, denn es war auch das erste agile Projekt für unseren Bereich. Scrum, damals die Basis für unser Projektvorgehen, war recht leicht zu erklären. Aber was braucht es, um dieses Vorgehen auch zum Erfolg werden zu lassen? Ich fragte mich das natürlich auch, denn es sollte nicht nur bei einem erfolgreichen agilen Projekt bleiben. Als das wesentlichste Erfolgskriterium kristallisierte sich für mich folgendes heraus: Arbeite mit Profis zusammen! Dies ist eine vielleicht abgeschwächte Form des oben genannten Zitats, meint im Kern aber etwas ähnliches.

Nun könnte man sagen: tolle Erkenntnisse, dass man mit guten Leute gute Ergebnisse erzielen kann! Aber so einfach ist das nicht. Agile Methoden bilden einen Rahmen, in dem Arbeit selbstorganisiert ablaufen soll. Das agile Manifest sagt, dass die Konzentration auf Individuen und Interaktion wichtiger sind als Werkzeuge und Methoden. Dies unterstreicht die Bedeutung der zusammenarbeitenden Menschen. Sich selbst organisieren zu können heißt aber auch, dass man sein Handwerk schon verstehen muss. Zudem arbeiten agile Teams in kleinen Gruppen, so dass kein Raum zum verstecken bleibt. All dies passt also zu der Bedeutung der Qualität agiler Arbeiter und zeigt, warum diese Qualität im agilen Kontext besonders wichtig ist.

Trotzdem würde ich heute das Erfolgskriterium anders formulieren: Bring den best möglichen Mix aus Menschen als ein Team zusammen. Ich will damit verdeutlichen, dass es nicht reicht, die zehn besten Individuen auszuwählen, für die dann, wie Bob Warfield schreibt, „pay what it takes“ gilt. Keine Frage, Qualität hat ihren Preis. Entscheidend ist aber das entstehende Team, das Gesamtgefüge. Neben der beruflichen Qualifikation muss dabei auch die Persönlichkeit betrachtet werden. Ein Team funktioniert dann, wenn sich sowohl die fachlichen als auch die persönlichen Merkmale der Teilnehmer gegenseitig so unterstützen, dass das Team mehr wird als die Summe seiner Einzelteile.

Bob Garfield gibt zusätzlich noch folgende Tipps, um das Team best möglich zu unterstützen, bzw. die besten Leute optimal ans Teams / Unternehmen zu binden:

  • Make engineering a first class part of the company.
  • Give them a high performance environment to work in.
  • Parallel Career Tracks for Pure Techies and Management.

All dies kann ich unterschreiben, wobei man den ersten und dritten Punkt verallgemeinern muss, denn man kann und sollte auch außerhalb des IT-Bereichs agil arbeiten. Eine der wichtigsten Aufgaben für agiles Management im Bereich Personalauswahl ist aus meiner Sicht aber die Zusammensetzung des Teams optimal zu unterstützen. Die Personalauswahl muss auf das entstehende Team abgestimmt werden und darf nicht nur isoliert betrachtete Superstars auswählen. Hilfreich ist es z.B. potenzielle Kandidaten auch mit dem Team reden zu lassen. Ich verlasse dafür mit dem HR-Manager den Raum und lasse den potenziellen Kollegen und Teile des Teams sich einfach mal beschnuppern. Dabei soll kein Team entstehen, wo sich alle auf anhieb perfekt verstehen. Ein gutes Team braucht auch Spannungspunkte. Diese zu erahnen ist Aufgabe von HR und Manager. Aber ein unverfängliches Kennenlernen gibt beiden Seite eine gute Chance, in die neue neue Konstellation hineinzufühlen.

Die zweite zentrale Aufgabe für agiles Management ist es dann, für dieses Team passende und gleichzeitig den Wert des Unternehmens steigernde Aufgaben auszuwählen. Das Team so gut verstehen lernen, dass man zu der Teamkompetenz passende Aufgaben auswählen kann, ist dafür die Voraussetzung. Natürlich muss dabei immer auch der Mehrwert für das Unternehmen betrachtet werden. Im Zweifel würde ich aber eine bestimmte Aufgabe runter priorisieren, wenn ich dadurch den Output des jeweils aktiven Teams optimieren kann. Dann können auch Personalwechsel nicht mehr nur als Gefahr gesehen werden, sondern auch als Chance mit einer neuen Teamkonstellation ganz neue Teamkompetenzen zu erreichen und andere Themenschwerpunkte setzen zu können, ohne dabei an Fahrt zu verlieren. Hat man mehrere Teams zur Verfügung, lohnt sich je nach aktuellen Themen also auch die Frage, ob die bestehenden Teams verändert bzw. durchmischt werden sollten. Starre Abteilungsgrenzen sind dabei wenig hilfreich. Agilität muss somit auch in der Organisation der Organisation ankommen.

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