Sprints sind keine Schleifen sondern eine Kette

Bei den Vorbereitungen zu einigen Seminaren bin ich mal wieder über eine der bildhaften Darstellungen von Scrum gestolpert. Je nach Umfang zeigen diese Bilder alle Aktivitäten, Artefakte, Rollen oder auch alles zusammen. Dabei wird der Sprint eigentlich immer als eine Schleife bzw. geschlossener Kreislauf dargestellt. Nach dem Sprint ist also vor dem Sprint!?

Nein, eben nicht! Denn nach dem Sprint hat sich unser Produkt verändert. Die Welt ist nicht mehr die gleiche wie noch vor 2-4 Wochen. Das ist so ähnlich wie mit der Jahresuhr, die wir schon im Kindergarten erklärt bekommen. Wenn der Winter vorbei ist, dann geht es mit dem Frühling wieder von vorne los. Nur, dass der nächste Frühling eben nicht der gleiche ist wie letztes Jahr. Die Jahresuhr suggeriert, dass sich alles immer wiederholt. Aber das stimmt nicht. Alles verändert sich ständig.

Und so ist es auch mit bzw. durch Scrum. Der Prozessrahmen mag der gleiche bleiben, aber das Team und vor allem das Produkt verändern sich. Scrum ist also nicht die eine Schleife, die immer wieder durchlaufen wird, Scrum ist eine Aneinanderreihung von Schleifen. Und das ist ein erheblicher Unterschied. Denn dies bedeutet, dass es nicht darum geht den Prozess zu wiederholen, sondern das Produkt basierend auf neuen Erkenntnissen zu entwickeln. Ein Backlog kann eigentlich einen Sprint nicht unbeschadet überleben. Wenn die Ergebnisse des letzten Sprints die Planung des nächsten nicht verändern, dann ist arbeiten in Iterationen sinnlos. Scrum soll nicht primär einen Prozess etablieren, Scrum soll Produktentwicklung unterstützen.

Lean Startup ist ein sehr gutes Beispiel für diesen zentralen Sinn von agilem ArbKettengliedereiten. Die Anwendung agiler Methoden wird hier vorausgesetzt. Lean Startup richtet den Fokus auf das Ergebnis und die Anpassbarkeit durch agiles Arbeiten. Und nach dem MVP ist definitiv nicht vor dem MVP. Das eine hat ohne das andere überhaupt keine Bedeutung. Erst die Verkettung von MVPs stellt eine sinnvolle Anwendung der agilen Ideen dar, um so im Sinne von Lean startup am Ende der Kette das für das Marktsegmente passende Produkt gefunden zu haben.

Deshalb ist es so wichtig den vermeintlichen Widerspruch zwischen dem agilen Manifest (Individuen und Interaktion sind wichtiger als Werkzeuge und Prozesse) und einem Framework wie Scrum (Prozess) klar aufzuzeigen. Bleibt man bei der Einführung agiler Prozesse stehen, hat dies absolut nichts mit Agilität zu tun. Erst wenn die Prozesse zur agilen Entwicklung des Produktes genutzt werden, kann man anfangen von agilem Management zu sprechen. Denn agiles Management darf nicht als Methode auf der operativen Ebene verstanden werden, agiles Management betrifft das gesamte Unternehmen, um so die Erkenntnisse und schnellen Ergebnisse auf operativer Ebene für die taktische und strategische Ausrichtung des Unternehmens nutzen zu können.

Bild: Chain Linkage von Max Klingensmith auf flickr, Verwendung unter cc Lizenz

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