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Scrum Day 2014: Denkanstöße zur agilen Idee

Die Konferenz Scrum Day 2014 findet dieses Jahr am 01./02.07. in Böblingen statt und der Besuch lohnt sich. Denn am 02.07. werde ich dort zum Thema „Denkanstöße zur agilen Idee“ sprechen 😉 Aber natürlich lohnt sich der Besuch vor allem auch wegen all der anderen tollen Vorträge, der ausgezeichneten Keynote Speaker und der Workshops. Die Agenda könnt Ihr hier einsehen: http://www.scrum-day.de/agenda.html.

Hier exklusiv für Euch ein kleiner Ausblick auf meinen Vortrag, der drei Thesen beleuchten wird, die einen philosophischen Hintergrund dabei aber hohe praktische Relevanz für das agile Arbeiten haben:

  • Wir brauchen Leute, die willens und fähig sind in einem agilen Umfeld zu arbeiten. Wie können wir aber frühzeitig feststellen, ob jemand diese Bedingungen erfüllt? Meine These dazu: Sartre statt Zertifikate. Ich werde darstellen, dass die Auseinandersetzung mit dem Existentialismus dabei helfen kann die Einstellungen und Meinungen zu hinterfragen, die maßgeblich die Eignung zum agilen Arbeiter beeinflussen.
  • Ein gut funktionierendes agiles Team arbeitet selbstorganisiert, nicht aber isoliert, sondern sinnvoll eingebettet in die Organisation. Meine These dazu: Das P in PO steht für Prediger! Die klassische Analyse des Wissens kann nicht nur helfen die Entstehung fragwürdiger Entscheidungen der Organisation zu verstehen, sie zeigt auch, an welcher Stelle man ansetzen muss, um Entscheidungen im Sinne des Teams zu forcieren.
  • Ein agiles Team ist besser als keins, noch mehr Potenzial bietet aber eine agile Organisation. Meine These dazu: wir brauchen keine agilen Methoden, wir brauchen eine agile Praxis. Ich werde darstellen, was Praxis (angelehnt an Alasdair MacIntyre) an dieser Stelle meint und welche Anforderungen sich daraus an unsere Arbeit und unser Selbstverständnis als agile Arbeiter ergeben.

Wer also über den Tellerrand hinausblicken will, dabei aber trotzdem einen klaren Bezug zu Scrum und agilem Vorgehen sucht, der sollte auf jeden Fall zu meinem Vortrag kommen. Ich freue mich auf zwei spannende Tage, viele Kontakte und angeregte Diskussionen! Wir sehen uns auf dem Scrum Day 2014!

agiles Fasten

Ich bin passionierter Hobby-Bassist und habe mir vor ein paar Jahren einen echten Luxus-Urlaub gegönnt. Eine Bass-Intensiv-Woche beim „Basslehrer der Nation“ Markus Setzer. Ich hatte schon etliche Jahre Praxis am E-Bass hinter mir, davon viele Jahre aktiv in Bands. Entsprechend ging ich mit der Hoffnung in diese Woche, neue Impulse zu bekommen und etwas dazu zu lernen aber auch ein wenig Bestätigung für mein Können zu erhalten. Doch es sollte anders kommen, denn spätestens nach Tag zwei war absolut klar, dass ich am besten noch mal ganz von vorne anfange. Das hat sich am Anfang nicht wirklich gut angefühlt. Aber schon nach kurzer Zeit setze die totale Entspannung ein. Jeglicher Druck war weg und ich konnte den Bass für mich neu entdecken. 

Sehr spannend war es auch zu sehen, wie die anderen Teilnehmer in der Gruppe mit der individuellen Erfahrung umgingen. Es waren auch einige semi- bis professionelle Musiker dabei. Für diese war es sichtbar schwerer das Feedback aus dem Training vollumfänglich anzunehmen. Sicher haben sie vieles gelernt, aber sie haben dabei eher die für sie passenden Aspekte ausgewählt. Das ist auf jeden Fall legitim und zum Teil auch Sinn der Übung. Und doch glaube ich, dass man mehr aus so einer intensiven Auseinandersetzung heraus holen kann, wenn man sich komplett öffnet und bereit ist, die Schüler-Rolle anzunehmen.

Aber was hat dieser Schwank aus meiner Jungend nun mit der agilen Idee und der Fastenzeit zu tun? Von dem selbst erschaffenen Thron der eigenen Meisterschaft herab zu steigen und sich als Schüler zu begreifen, ist keine leichte Aufgabe, aber zwingende Notwendigkeit, wenn man aus agilen, interdisziplinären Teams das Beste heraus holen will. Gerade klassisch hierarchisch organisierte Unternehmen leben von der Idee, dass mit dem Karriere-Level auch das Level der Unfehlbarkeit steigt. Damit steigt aber auch die Gefahr, dass der Glauben des Managements zum Wissen für die ganze Organisation wird. Um dem entgegen zu wirken, sollte jeder in der Organisation fähig und willens sein, zu lernen und andere Meister als sich selbst zu akzeptieren.

Wer in der Fastenzeit nicht nur auf die drei großen SCH (SCHnaps, SCHokolade und FleiSCH) verzichten will, der sollte zusätzlich versuchen, 40 Tage lang als SCHüler zu leben. Wenn es Euch dabei wie mir in der Bass-Intensiv-Woche geht, dann wird das die entspannendste Fastenzeit, die ihr je erlebt habt.

Wie alles begann

Im Jahre 2010 bekam ich den Auftrag einen Online-Shop aufzubauen. Ich hatte weder im E-Commerce noch im Bereich IT-Projekte nennenswerte Erfahrung und zu meinem Glück kam dann noch eine ziemlich ambitionierte Zeitschiene dazu. Schnell merkte ich, dass wir mit einem detaillierten Anforderungsdokument niemals das Projektziel erreichen würden, weil wir erstens zeitlich nie fertig werden würden und zweitens auch inhaltlich gar nicht in der Lage waren, ein solches Dokument anzufertigen. Daraus zog ich eine erste für mich wirklich zentrale Erkenntnis: ich brauchte Partner, denen ich vertrauen konnte und mit denen ich gut zusammen arbeiten konnte. Ich fand einen solchen Partner und kam durch die Kollegen dort zur zweiten zentralen Erkenntnis: es gibt so etwas wie agiles Arbeiten. Wir erreichten das Projektziel, aber für mich begann vor allem eine Reise in die Welt der agilen Ideen. Zunächst beschäftigte mich intensiv mit den klassischen Tools und Methoden (z.B. SCRUM und KANBAN) und bemerkte, dass sich eine völlig neue Welt der (Zusammen-)Arbeit auftat. Ich begann die agile Idee als ganzheitlichen Ansatz zu begreifen bzw. zu interpretieren und mich mit verwandten bzw. weitergeführten Ideen wie z.B. Lean Startup zu beschäftgien. Heute würde ich nicht mehr in einem Umfeld arbeiten wollen, das nicht agilen Prinzipien folgt. Aber was ist das eigentlich, die agile Idee? Was sind die Möglichkeiten und Risiken eines agilen Unternehmen? Wann ist ein Umfeld agil? Und was kann das Internet alles für uns leisten? Ganz schlüssige Antworten habe ich auf diese Fragen noch nicht und viel schlimmer noch, ich habe sicher auch noch nicht mal alle Fragen gestellt. Aber dies soll sich ab heute mit diesem Blog ändern.