Geht Selbstorganisation von selbst?

Die agile Idee basiert wesentlich auf der Idee der Selbstorganisation. Warum aber ist die Auseinandersetzung mit entsprechenden Methoden und Vorgehen überhaupt nötig, wenn sich die Organisation doch von selbst organisieren soll? In vielen Unternehmen und Institutionen wird so aktiv gegen Selbstorganisation organisiert, so dass wir sie als Prinzip erst wieder möglich machen müssen. Um sowohl dem Rätsel als auch der Lösung für Selbstorganisation auf die Spur zu kommen, sollten wir uns zunächst anschauen, was Selbstorganisation bzw. selbstorganisierte Systeme auszeichnet. Es gibt vier Bedingungen für Selbstorganisation: Komplexität, Selbstreferenz, Redundanz und Autonomie.

Komplexität kann über die Anzahl möglicher Zustände eines Systems beschrieben werden, wobei die Komplexität zunimmt, je mehr Zustände das System annehmen kann. Die praktische Übersetzung können interdisziplinäre Teams sein, die aufgrund der Mischung an Kompetenzen mehr Lösungsansätze erdenken können als monothematisch aufgestellte Teams.

Selbstreferenz ist nicht etwa ein Widerspruch zur Offenheit eines Systems, sondern vielmehr die Fähigkeit eines Systems innerhalb der eigenen Grenzen Reaktionen auszulösen. Retrospektiven als Teil der agilen Methodik sind ein gutes Beispiel für Selbstreferenz. Das Team diskutiert intern die eigenen Abläufe und Prozesse und beschließt dabei direkt auch das Vorgehen gegen ungewollte bzw. die Verstärkung gewollter Praktiken.

Redundanz bedeutet für ein selbstorganisiertes Team, dass es keine klare Gewaltenteilung wie z.B. in hierarchischen, industriellen Organisationen gibt, bei denen eindeutig zwischen Organisierenden und Ausführenden getrennt wird. In einem selbstorganisierten Team kann jeder verschiedene Funktionen einnehmen.

Autonomie ist die Fähigkeit eines Systems, seine internen Abläufe frei zu gestalten. Dies soll aber nicht heißen, dass es keinerlei Abhängigkeit bzw. Austausch mit der Außenwelt gibt. So erhalten die Entwickler in einem klassischen Scrum Team zwar von außen ein Ziel, wie dieses aber erreicht wird, kann das Entwickler-Team autonom entscheiden.

Insbesondere die Begriffe Redundanz und Autonomie zeigen recht deutlich, dass Selbstorganisation aktiv etabliert werden muss, da sie zum Teil im Widerspruch mit den klassischen Organisationslehren stehen. Wenn wir Selbstorganisation wollen, dann müssen wir zulassen bzw. ermöglichen, dass sich komplexe Teams mit hoher Autonomie zusammenfinden dürfen, deren Mitglieder in verschiedene Rollen schlüpfen können und die die Organisation aus eigener Kraft weiterentwickeln wollen. Welcher der Aspekte ist aus Eurer Erfahrung die größte Herausforderung?

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