Selbstorganisation: 1+1=3

Ich habe das Glück mit einem Team aus internen wie auch externen Superhelden zusammenarbeiten zu dürfen. Wie in der richtigen (Comic-)Welt hat jeder seine ganz persönliche Superkraft. Aber wie schafft man es, dass jeder seine Superkraft auch richtig einsetzen kann? So ein Superheld braucht Freiheit, ein Superhelden-Team braucht Teamgeist. Der passende Begriff im Kontext der Agilität ist Selbstorganisation.

Selbstorganisation ist dabei nichts neues oder revolutionäres. Selbstorganisation ist eine emergente Eigenschaft komplexer Systeme, also eine Eigenschaft, die sich nicht allein durch die Eigenschaften der einzelnen Elemente des System erklären lässt. Selbstorganisation ist ein natürliches Phänomen. All die Ökosysteme um uns herum organisieren und regulieren sich selbst. Das Zusammenspiel von Pflanzen, Tieren, Bakterien usw. schafft, ganz ohne Management, ein funktionierendes, florierendes System. Umso spannender, dass wir uns im Zuge der Industrialisierung von diesem Konzept sehr aktiv und weit entfernt haben. Wir haben gelernt das Denken vom Handeln zu trennen, feste Regeln zu formulieren und zu befolgen, die Abläufe und Organisation nicht komplex, sondern Idiotensicher zu gestalten und klar definierte Rollen einzunehmen. Wir haben damit gelernt, gegen alle vier Anforderungen für Selbstorganisation zu arbeiten.

Wohl auch deshalb sind Ansätze wie z.B. die 20% time von Google, die selbstorganisierte Projekte fördert, viel diskutiert. Wenn man auf die Liste der Themen blickt, die aus dieser selbstorganisierten Tätigkeit entstanden sind (z.B. gmail, AdSense), dann wird klar, dass

  • Selbstorganisation eine sehr hohe kreative, innovative Kraft besitzt
  • Selbstorganisation Business Value generieren kann

Auch wenn Google die 20% time nicht mehr aktiv zu fördern scheint, haben wir entschlossen, sie einzuführen. Das vermeintlich besondere dabei ist, dass wir die 20% time bei einem Dienstleister eingeführt haben. Das klingt für viele vermutlich mutig bis schwachsinnig, immer hin bezahle ich die Dienstleister ja und dann will ich doch auch wissen, was sie tun!? Aber wissen was sie tun und ihnen sagen, was sie zu tun haben, sind zwei deutlich unterschiedliche Ansätze. Wenn man mit Dienstleistern zusammenarbeitet, die bereit und fähig sind auf Augenhöhe mit zu gestalten, und die als Spezialisten Aspekte des Projekts abdecken, die man selber nicht bedient, dann ist der Raum für Selbstorganisation eine riesige Chance an sonst verschlossene Potentiale zu kommen. Dann wird aus 1+1 eben 3.  An dieser Stelle ganz liebe Grüße an die tollen Kollegen von neuland!

1+1=3

Dass aus einer 20% time Regelung kein planloses „jeder-macht-was-er-will-ohne-auf-das-Gesamtprojekt-zu-schauen“ wird, hängt im wesentlichen davon ab, welche Kultur der Zusammenarbeit und welchen Grad an Transparenz man etabliert hat. Ich bin gespannt, wie erfolgreich die 20% time für uns sein wird und wie gut es uns gelingen wird, den nötigen Freiraum zu erhalten.

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