digitale Bildung und eduScrum

Als eine weiterführende Schule in unserem Umkreis nach Unterstützung für die Aktionstage 2017 suchte, haben einer meiner Brüder und ich die Chance genutzt. Wir haben versucht digitale Bildung nicht als Wunsch sondern als Wirklichkeit zu gestalten. Unsere Idee war, den Magic-8-Ball mit dem micro:bit selber zu gestalten und darauf aufbauend eigene Ideen zu verwirklichen.

Herausgekommen sind überaus kreative Produkte. Die micro:bits übernahmen die Funktion des magischen Hut von Harry Potter, wurden zum Assistenten für Papier-Stein-Schere oder passend zu den Zeugnissen zu Noten-Orakeln. Die Teilnehmer, die aus den Klassenstufen 5 bis 7 kamen, haben die digitalen Möglichkeiten von heute kreativ und spielerisch genutzt. Das war für uns auch Ziel des Experiments. Wir wollten den Schülern nicht das Programmieren beibringen, wir wollten zeigen, welches Potenzial unsere digitale Welt hat.

eduScrum

vereinfachtes Flip frei nach eduScrum
vereinfachtes Flip

Unser Vorgehen war inspiriert von eduScrum, einem Framework, dass Scrum auf den Unterricht überträgt. Da wir nur 4 Tage zur Verfügung hatten, ließ sich eduScrum nicht vollumfänglich implementieren. Unser Flip, das die Lernziele und Fortschritte Transparent macht, war deutlich einfacher als bei eduScrum und auch die Rollen haben wir nicht so klar verteilt. Teamarbeit und Transparenz waren aber zentrale Säulen der Aktionstage. Es war sehr spannend zu sehen, wie gut es gelang die Eigenverantwortung und den Produktfokus auf die Schüler zu übertragen. Unser großes Ziel war es, bis zum Präsentationstag acht funktionsfähige, unterschiedliche micro:bit Spiele zu erstellen. Dieses Ziel haben wir erreicht. Dass die Kinder dabei auch Programmier-Kenntnisse erworben haben, war eher ein Abfallprodukt.

Wie eine vollumfängliche, langfristige Anwendung von eduScrum auf den Unterricht wirkt, kann ich leider nicht sagen. Unsere Erfahrung würde ich aber als Zeichen dafür werten, dass der Ansatz durchaus vielversprechend ist. Das Arbeiten in Teams, die Transparenz über die Ziele und die Eigenverantwortung waren definitiv sehr hilfreich – sowohl für uns als „Lehrer“, als auch für die Schüler.

Digitale Bildung

Wir sind nicht mit einem echten Bildungsauftrag in die Projektwoche gestartet. Wir wollten den Kindern lediglich die Chance geben, Kreativität digital auszuleben. Es ging nicht darum, einfach nur vorgeschriebene Code-Zeilen abzuschreiben, sondern um die Anwendung auf die eigene Idee.

Digitale Bildung kann nicht durch die Übertragung alter Lehrmethoden auf neue Fächer vermittelt werden. Wir müssen den Schülern helfen, die Möglichkeiten der digitalen Welt selber für sich zu erschließen. Und das geht über Spaß und Kreativität sicher deutlich besser als über vorgefertigte Lernkarten oder das Abtippen von Code-Zeilen. Natürlich haben auch wir Code-Zeilen und Konzepte vorgestellt. Wir haben dabei aber immer solche Lehreinheiten geschnitten, die die Kinder danach mit eigenen Ideen übersetzen konnten. Die Struktur für unseren Projekttage folgte damit agilen Produktmanagement-Grundsätzen. Jede Einheit war ein kleines MVP, mit dem die Teilnehmer experimentieren und lernen konnten.

Fazit

Sicher ist es viel zu einfach, von vier Tagen Projektwoche auf digitale Bildung im Grundsatz zu schließen. Trotzdem lässt sich festhalten, dass ein spielerischer Lehransatz, der auf agilen Prinzipien und Ideen aus der Produktentwicklung basiert, erfolgreich übersetzt werden kann. Gerade zum Start war es den Kindern deutlich anzumerken, wie sehr sie es gewohnt sind, dass Schule Frontbeschallung und klare Arbeitsaufträge bedeutet. Um so schöner war es war zu sehen, wie die Teilnehmer dann stellenweise so tief in Ihre Ideen und Umsetzungen vertieft waren, dass Pausen einfach ignoriert wurden.

Was mich bei den Abschusspräsentationen nachhaltig beeindruckte war die Tatsache, dass viele der Projekte nicht etwa durch Lehrer oder Eltern, sondern durch die Schüler selbst organisiert waren. Was wäre wohl passiert, wenn die Schüler mit Ansätzen wie eduScrum aufgewachsen wären? Wenn eigenverantwortliches, selbstorganisiertes Lernen und Arbeiten nicht die Ausnahme sondern die Regel wäre? Um digitale Bildung bräuchten wir uns dann vermutlich deutlich weniger Gedanken zu machen.

Kommentar verfassen