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schlechte Unendlichkeit – wahre Organisation

Agile Organisationen werden i.R. der Systemtheorie gerne als Systeme, genauer gesagt komplexe Systeme, besprochen. Hierdurch ergeben sich eine ganze Menge interessanter Ansatzpunkte. Es gibt aber ein in der Diskussion ausgeblendeten Aspekt, nämlich den der Grenze. Ein System ist immer durch eine Grenze beschrieben, die das System gegen die Außenwelt definiert. Grenzen haben aber die Eigenschaft, direkt auch das hinter der Grenze liegende einzuführen. Selbst wenn es uns gelingt, ein System innerhalb seiner Grenzen genau zu beschreiben, dann fehlt immer noch die Beschreibung für das System darum herum.

von Grenze zu Grenze zuHegel hat einst den Begriff der schlechten Unendlichkeit eingeführt. Für Hegel kann die wahre Unendlichkeit nicht durch eine reine Negation der Endlichkeit beschrieben werden. Die mathematische Definition in Form von n+1 führt nie zum Ziel, sonder zu einem nicht endenden Prozess. Bei der schlechten Unendlichkeit wird die Grenze immer nur weiter verschoben, aber nie wirklich überschritten. Hegel stellt der schlechten Unendlichkeit das wahrhaft Unendliche gegenüber. Diese wahre Unendlichkeit schließt die schlechte Unendlichkeit ein, ist aber eben mehr, ist tatsächlich grenzenlos.

Übertragen wir den Begriff, dann müssen wir bei einem systemtheoretischen Modell unserer Organisation wohl von dem schlechten Organisationsmodell sprechen. Eine auf der Systemtheorie basierende Organisationslehre kann niemals die wirkliche Organisation beschreiben oder begründen. Das soll nicht heißen, dass wir uns nicht mit Modellen befassen sollten, denn es ergeben sich daraus wichtige Aspekte und Anregungen. Aber eine Organisation ist eben mehr als nur die Summe der beschreibbaren Eigenschaften oder aufgezeichneten Prozesse. Es führt kein Weg daran vorbei, dass wir uns mit unserer wahrhaftigen Organisation befassen müssen. Wir müssen uns der Komplexität stellen und uns mit den Menschen auseinander setzen. Wie es im agilen Manifest heißt: Individuen und Interaktionen über Prozesse und Werkzeuge. Man könnte noch ergänzen „…und über Modelle“.