agiles Fasten

Ich bin passionierter Hobby-Bassist und habe mir vor ein paar Jahren einen echten Luxus-Urlaub gegönnt. Eine Bass-Intensiv-Woche beim „Basslehrer der Nation“ Markus Setzer. Ich hatte schon etliche Jahre Praxis am E-Bass hinter mir, davon viele Jahre aktiv in Bands. Entsprechend ging ich mit der Hoffnung in diese Woche, neue Impulse zu bekommen und etwas dazu zu lernen aber auch ein wenig Bestätigung für mein Können zu erhalten. Doch es sollte anders kommen, denn spätestens nach Tag zwei war absolut klar, dass ich am besten noch mal ganz von vorne anfange. Das hat sich am Anfang nicht wirklich gut angefühlt. Aber schon nach kurzer Zeit setze die totale Entspannung ein. Jeglicher Druck war weg und ich konnte den Bass für mich neu entdecken. 

Sehr spannend war es auch zu sehen, wie die anderen Teilnehmer in der Gruppe mit der individuellen Erfahrung umgingen. Es waren auch einige semi- bis professionelle Musiker dabei. Für diese war es sichtbar schwerer das Feedback aus dem Training vollumfänglich anzunehmen. Sicher haben sie vieles gelernt, aber sie haben dabei eher die für sie passenden Aspekte ausgewählt. Das ist auf jeden Fall legitim und zum Teil auch Sinn der Übung. Und doch glaube ich, dass man mehr aus so einer intensiven Auseinandersetzung heraus holen kann, wenn man sich komplett öffnet und bereit ist, die Schüler-Rolle anzunehmen.

Aber was hat dieser Schwank aus meiner Jungend nun mit der agilen Idee und der Fastenzeit zu tun? Von dem selbst erschaffenen Thron der eigenen Meisterschaft herab zu steigen und sich als Schüler zu begreifen, ist keine leichte Aufgabe, aber zwingende Notwendigkeit, wenn man aus agilen, interdisziplinären Teams das Beste heraus holen will. Gerade klassisch hierarchisch organisierte Unternehmen leben von der Idee, dass mit dem Karriere-Level auch das Level der Unfehlbarkeit steigt. Damit steigt aber auch die Gefahr, dass der Glauben des Managements zum Wissen für die ganze Organisation wird. Um dem entgegen zu wirken, sollte jeder in der Organisation fähig und willens sein, zu lernen und andere Meister als sich selbst zu akzeptieren.

Wer in der Fastenzeit nicht nur auf die drei großen SCH (SCHnaps, SCHokolade und FleiSCH) verzichten will, der sollte zusätzlich versuchen, 40 Tage lang als SCHüler zu leben. Wenn es Euch dabei wie mir in der Bass-Intensiv-Woche geht, dann wird das die entspannendste Fastenzeit, die ihr je erlebt habt.

Ein Gedanke zu „agiles Fasten

  1. Practice what you preach. Ich mache gerade einen Inlineskate-Kurs mit meinen Kindern. Meine Kinder haben dabei schon etwas Vorsprung, während ich letzte Woche das erste mal auf Inlinern stand. Als mein fünfjähriger Sohn, während er mich lässig überholte, sagte: “Papa, das hast Du schon ganz gut gemacht”, da war er wieder, dieser Moment der totalen Entspannung! Allerdings ein wenig getrübt durch die Schmerzen am Steißbein 😉

Kommentar verfassen